Na ja, so ungefähr - letztes Jahr mitten im Juli hat mein Mutterschutz begonnen, und seitdem ist die Zeit so ratzfatz herumgegangen, dass mir schwindelig ist, wenn ich darüber nachdenke, dass es der Rest meines Lebens ebenso tun könnte. Ich habe darüber gemutmaßt, ob es anstrengender sein könnte mit drei Kindern zu Hause als mit zweien und Vollzeit-Job, und als kurze Zwischenbilanz sage ich mal: Nein, ist es nicht - es ist anders. Die ersten Monate mit Baby waren nicht einfacher, aber irgendwie auch entspannter, weil ich wusste, ich muss die Kleine diesmal nicht nach zwei Monaten wieder stundenweise verlassen, um zu arbeiten. Mit Frühlingsanfang und Beginn der Gartensaison wird das Leben gerade so richtig schön - so ungefähr, wie man sich das ausmalt, wenn man im Büro sitzt und an seine Kinder denkt: mit Blumenpflanzen, Wasserspritzen, Geschichten im Gras, gesammelten Spinnen, Regenwürmern und Tausendfüßlern ...
Die unschönen Seiten des Daheimseins sind Spül-, und Waschmaschine, Wischeimer, Fensterputzer und Magen-Darm-Infekte, aber alles in allem genieße ich es gerade, nicht ständig den Spagat zwischen Kitabringen, Arbeiten bis 16 Uhr, wieder Kita und stressigem Abend, in dem der Haushalt und die Kinder laut schreien "Kümmere dich um mich!" bewältigen zu müssen. (da der Haushalt nur stumme Schreie sendet, wurde und wird er regelmäßig vernachlässigt)
Das alles ändert sich ab Herbst vermutlich wieder, aber wenn ich eines weiß, dann das: Ich möchte nicht zurück in dieses Hamsterrad aus Vollzeit-Berufstätigkeit und sogenannter "Qualitätszeit" zwischen 16.30 Uhr und 20 Uhr - denn Kinder kann man nicht wie Spinning oder Joggen in einen Terminkalender quetschen, und ich meine Beziehung zu ihnen auch nicht. Bleibt nur die Frage nach dem dritten Weg: wie kann der aussehen? Wie genug Zeit für die Kinder bei gleichzeitigem geistigen Input durch Berufstätigkeit und einem menschenwürdigen Gehalt? Oder muss ich am Ende - wie so viele Mütter hier vor Ort - trotz abgeschlossenem Studium und 10 Jahren Berufserfahrung im Edeka an der Kasse oder zwischen den Regalen hocken, um mit 400 Euro das Haushaltseinkommen aufzubessern? Nach meinem jetzigen Traumjob befragt hätte der nicht mehr als 20 Stunden, wäre ordentlich bezahlt, würde genau das aufgreifen, was ich bislang getan habe, dazu noch unbefristet und mit einem / einer Vorgesetzten, die keinen Nervenzusammenbruch bekommt, wenn mein Kind im ersten Kita-Jahr krank ist. "Das Leben ist eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt!" - so man aber Süßes generell mag, kann man doch eigentlich gar nicht so richtig enttäuscht werden, oder?